Ein Blick auf die Änderungen im Kanadischen Tollerstandard
von Alison Strang

(Uebersetzung E. Wittwer)

Nun ist es offiziell - der neue Standard für Retriever (Nova Scotia Duck Tolling) wurde in der Dezemberausgabe von —Dogs in Canada" veröffentlicht und ist seit dem 1.1998 in Kraft.
Als Mitglied des Standard-Revisionskomitees bin ich zufrieden mit den meisten Aenderungen. Ich bedaure jedoch, dass in einigen Punkten der Wortlaut unseres Standards nicht klarer und eindeutiger festgelegt wurde, besonders, weil nur wenige Stimmen fehlten, um zu der erforderlichen Zweidrittel-Mehrheit zu gelangen, welche der Kanadische NSDTR-Club vorschreibt.

Als Hauptanliegen betrachtete es das Komitee, den IDEALEN Toller zu beschreiben und anschliessend darüber zu befinden, wie schwer die Abweichungen von diesem Ideal zu bewerten sind. Dadurch hätte man die meisten Punkte bezüglich Fehlern und Ausschlussgründen weglassen können, die für alle Hunde gelten und sich nicht nur auf die Toller beziehen.

Als Tollerzüchterin seit 22 Jahren nehme ich mir die Freiheit, über die Zusätze im neuen Standard Stellung zu nehmen und ebenfalls zu vermerken, wo wir andere Aenderungen anbringen könnten und worauf zu achten ist, um einen ausnahmslos perfekten Toller zu beschreiben. Vielleicht kommen wir eines Tages wirklich zu einer definitiven und verständlichen Version.

Unser Standard ist die Vorgabe für alle andern Tollerstandards (z.B. FCI) und wir müssen uns bemühen, den besten zu haben.

Ursprung und Verwendung: Einer kurzen Beschreibung folgt ein Absatz darüber, wie der Hund arbeitet. Im letzten Satz heisst es: —die spielerischen Aktionen des Hundes locken die neugierigen Enten in Schussnähe. Danach wird der Hund geschickt, um die erlegten Enten zu apportieren". Diese kleine Aenderung weist nachdrücklich darauf hin, dass sowohl die Enten in der Luft wie im Wasser sich dem Hund nähern.

Allgemeine Erscheinung:
Keinerlei Aenderung wurden zu diesem Abschnitt gemacht, welcher ein Kurzbeschrieb der Rasse darstellt. Im Laufe der Jahre gab es einige Liebhaberzüchter, die das Wort —schwer" im Zusammenhang mit dem Knochenbau kritisierten. Ein Antrag, den Satz wie folgt zu formulieren" ein gut bemuskelter Hund mit mittleren bis starken Knochen" wurde knapp abgelehnt. Das ist schade, denn heute findet man zu viele Toller mit sehr feinen Knochen und nicht annährend so viele mit wirklich schwerem Knochenbau. Wie überall, Mässigkeit ist das Schlüsselwort. Obiger Zusatz hätte Extreme verhindert und dabei die Kraft unterstrichen, die in einem Hund steckt, der scharfe Wendungen und brüskes Stillstehen beherrscht und dabei ein ausgezeichneter Schwimmer ist. Ich glaube, es wäre wirklich wünschenswert anzufügen: —Die Struktur des idealen Tollers sollte einen Körperbau aufweisen, der den Hund befähigt, seine Arbeit zu tun, d.h. rasch und leistungsstark zu apportieren und zu schwimmen". Dieser Vorschlag eines erfahrenen Richters aller Rassen und jahrelangen Tollerfreundes beinhaltet in einem Satz die Struktur des idealen Tollers.

Temperament:
Ein guter Zusatz ist: anhänglich und verspielt in der Familie, er darf Fremden gegenüber reserviert sein, jedoch ohne Aggressivität oder übertriebene Scheu. Aggression darf nicht erlaubt werden. Um der Zunahme von Aggressivität bei einigen Tollern entgegenzuwirken, haben Richter und Züchter darauf ihr Augenmerk zu richten.

Grösse: Dieser Abschnitt enthält keine Aenderung, obwohl männiglich der Ansicht ist, eine Marge von 9 cm sei übertrieben.

Haarkleid und Farbe:
Farbe: Der hauptsächliche Zusatz verurteilt die übertriebene Fellpflege. —Das Toilettieren von Pfoten und Ohren ist erlaubt, doch soll der Toller stets natürlich erscheinen." Gleich einer Vielzahl von sportlichen Hunden, werden einige Toller mit aufgeplustertem Fell, gepudert und gefönt im Ring vorgeführt. Dies ist eine Verschandelung des echten Tollerfells, von dem es heisst —darf einige leichte Wellen auf dem Rücken aufweisen, ansonsten ist es glatt". Ein bedauernswertes Versäumnis ist das Weglassen des Wortes —dicht" bei der Fellbeschreibung —Wasser abstossendes doppeltes Fell". Es ist diese Dichte, einschliesslich der Unterwolle, welche den Toller im eisigen Wasser im Südwesten von Nova Scotia, seiner Heimat, beschützt. Es gibt auch einen Hinweis darauf, im letzten Satz des Abschnittes, dass das Pigment überall gleich sein soll, was im früheren Standard fehlte.

Kopf : Eine Anzahl kleiner aber wichtiger Aenderungen wurden in diesem Teil vorgenommen, beginnend mit —Der Kopf, der in den Proportionen zu der Körpergrösse sein soll, ist gut geschnitten und leicht keilförmig, wenn er von unten betrachtet wird. Der breite Schädel ist nur wenig gerundet. Das Hinterhauptbein ist nicht vorstehend. Die Länge vom Hinterkopf bis zum Stop sollte etwa gleich wie die Länge vom Stop zur Nasenspitze sein." Diese Aenderungen drücken etwas detaillierter aus, was man beim Kopf des Tollers sucht.
Persönlich bin ich etwas skeptisch gegenüber der Bezeichnung —breit"; tatsächlich sollte der Tollerkopf weder zu schwer noch zu schmal sein.
Beim Abschnitt über den Fang wurde angefügt: — Die Schnurrbarthaare werden nicht entfernt". Dies sollte unterstreichen, dass der Toller ein Jagdhund ist, und die Barthaare einen Bestandteil seiner Arbeitsfähigkeit darstellen.
Der Zusatz —Ueberbiss von mehr als 1/8 inch, Vorbiss und schräges Maul sind in hohem Mass unerwünscht", im Abschnitt über die Schnauzenpartie, ist eingeflochten mit der Idee, dass dieser Wortlaut anstelle von Fehlern und Disqualifikationen genannt zu wird. Diese sind jedoch im neuen Standard immer noch gleich aufgeführt, doch durfte obiger Satz an den Anfang des Abschnittes gesetzt werden.
Der Teil über die Augen bleibt unverändert. Die weit auseinander stehenden Augen sind mandelförmig und von mittlerer Grösse. Ein Vorschlag, auf den nur wenige eingetreten sind, hiess —mit gut schliessenden Lidern". Jeder Jagdhund mit hängenden oder offenen Lidern leidet unter Grassamen und Staubpartikeln, die leicht in das Auge eindringen und Entzündungen oder Verletzungen zur Folge haben. Da viele Jagdhunderassen mit Lidproblemen behaftet sind, tun Züchter gut daran, ihre Aufmerksamkeit auch darauf zu richten.
Der Abschnitt betreffs Ohren wurde deutlich folgendermassen verlängert: Die Ohren sind dreieckig mit abgerundeter Spitze, von mittlerer Grösse und hängend. Sie sind hoch und schön am Schädel nach hinten angesetzt. An der Basis leicht angehoben, so dass sich die abgerundete Spitze seitlich des Kopfes befindet. Die Ohren sind oben und hinter dem Fell gut befedert, jedoch mit kurzen Haaren auf den Spitzen. Diese Beschreibung verhindert, dass häufige Fehler missachtet werden wie kleine, spitze Ohren, die sich in der Mitte falten und etwas rebellisch seitwärts vom Kopf abstehen. Auch lange, laufhundartige Behänge mit dicker Haut werden oft beobachtet, die dem Hund ein wenig typisches Aussehen verleihen.

Nacken: Hier heisst es jetzt —Leicht gebogen", stark bemuskelt und gut angesetzt, von mittlerer Länge ohne jeglichen Ansatz einer Wamme. Einige wenige Toller haben einen dicken, kurzen Hals. Wenn diese Toller sehr stark und muskulös sind, könnte der Hinweis —gebogen" auf längere Sicht dazu beitragen, die Nackenlänge und damit die Gesamterscheinung zu verbessern ohne die Kraft zu vermindern.

Vorhand: Ein Satz wurde angehängt um die Lage von Schulter und Oberarm zu erläutern. —Das Schulterblatt und der Oberarm sind etwa gleich lang, der Oberarm schön nach hinten gewinkelt unter dem Körper."
Diese Beschreibung enthält die korrekte Position der ganzen Front, mit dem Resultat einer guten Vorbrust. Eine grosse Anzahl von Tollern haben sehr offene Oberarme mit daraus entstehender fehlender Vorbrust und fehlerhaftem vorderen Gangwerk.

Die überaus wichtigen Pfoten sind nun wie folgt beschrieben: —Die Pfoten mit starken Schwimmhäuten sind geschlossen und rund, mit schön gebogenen Zehen, festen Ballen und starken Krallen. Sie stehen im Verhältnis zu der Grösse des Hundes". Man darf sich nicht zu sehr daran klammern, dass ein Jagdhund starke Pfoten und dicke Ballen braucht für seine Arbeit, aber man muss daran festhalten, dass die Pfoten im richtigen Verhältnis zum Gesamtbild stehen.

Gebäude: Hier wurde nichts verändert, doch hat man die Gelegenheit versäumt, die Proportionen der Höhe im Verhältnis zu der Länge festzuhalten. Dies ist insofern bedauerlich, weil mehrere Richter diese Lücke im letzten Standard bemängelt haben. Eine entsprechende Eingabe wurde dem CKC-Rassenstandard-Ausschuss unterbreitet, jedoch wurde nichts geändert.
Folgende Definition schlägt das Toller Standardkomitee vor: Der Körper, von der Vorbrust bis zum Beckenende gemessen, sollte ein wenig länger sein als die Widerristhöhe, jedoch weder ein zu langer Rücken noch zu lange Lenden haben.
Das drückt aus, wo der Toller gemessen werden sollte und dass der Toller kein quadratischer Hund ist.

Hinterhand: auch hier keine Aenderungen. Allerdings hätte man präzisieren können: Sprunggelenk mässig tief stehend, statt tief stehend. Damit wäre das Erscheinungsbild der meisten Toller klarer dargestellt worden. Sehr wenige Toller haben wirklich lange Kniegelenke. Deren Länge wird manchmal mit der Kraft in der Hinterhand in Zusammenhang gebracht. Die Kommission hätte lieber auch hier —mässig gewinkelt" statt —gut gewinkelt" gesehen. Die Mitglieder lehnten ab, mit der Befürchtung eines Widerspruches zwischen —mässig" und —gut".

Rute: Auch mit diesem Abschnitt stehen wir im Konflikt zu der Fehlerliste. Noch steht im Standard: Die Rute darf unterhalb der Rückenlinie getragen werden, ausser für den Fall, dass die Aufmerksamkeit des Tollers erregt wird. Dann wird die Rute hoch und gekrümmt getragen, darf aber den Rücken nicht berühren. Jedoch in der Fehlerliste kann man lesen: —....die Rute unter der Rückenlinie getragen, wenn der Hund läuft". Um diesen Widerspruch zu korrigieren, wollte die Kommission anfügen: —Die Rute soll leicht über der Rückenlinie getragen werden ausser ...", was aber nicht angenommen wurde. Wir wollten auch einen andern Satz angehängen: —Die Rute wird weder mit der Schere noch sonstwie geformt". Da beides im gleichen Abschnitt stand, wurde beides abgelehnt. Schade, weil immer wieder Toller mit gestylten Ruten im Ring erscheinen , und die Richter sollten auf solche unerwünschten Praktiken aufmerksam gemacht werden.

Bewegung: Dieser Teil ist gleich geblieben ausser dem Zusatz: —raumgreifend mit sparsamen Bewegungen" am Schluss. Die richtigen Bewegungen eines guten Jagdhundes sind damit gut beschrieben, auch wenn es manchmal schwierig ist, sie mit den typischen Tollersprüngen zu vereinbaren. Der Anfang, mit —in der Bewegung vermittelt der Toller den Eindruck von Kraft, ist schwungvoll und unbeschwert" kann vielleicht diesen Widerspruch klären.

Fehler: Wie eingangs geschrieben, wollte der Vorstand des Tollerclubs diesen Teil streichen. Wie es jetzt aber aussieht, befinden wir uns in einer lächerlichen Lage, da folgender Satz als Fehler Nr. 14 aufgelistet ist: —Jede Abweichung der vorgehenden Punkte ist ein Fehler und die Bewertung sollte genau im Verhältnis der Abweichung stehen". Dies ist ein Unsinn, doch letztlich muss die Standardkommission des CKC die Verantwortung für die daraus entstehenden Verwirrungen übernehmen.
Ich vermute, dass einige Zeit verstreichen wird, bevor der NSDTR-Club von Kanada eine Chance hat, die Irrtümer und Versäumnisse in unserem neuen Standard zu korrigieren. Den Tollern zuliebe hoffe ich auf einen neuen Anlauf, um vielleicht beim dritten Mal mehr Glück zu haben.

Alison Strang


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